Guitar Hero Retrospektive

Verzweifelte Wiederbelebungsmaßnahmen

Doch zurück zur Hauptserie: Bereits 2009 erschien Guitar Hero 5, welches zwar wieder hohe Wertungen in der Presse einheimsen konnte, jedoch im Vergleich zum Vorgänger nochmals 50 Prozent der Käufer verlor. Da half es auch nicht, dass es für eine Kontroverse rund um Kurt Cobain verantwortlich war. Der verstorbene Sänger und Gitarrist der Band Nirvana war erstmals spielbar und konnte als Charakter auch für andere Songs als die von der Grunge-Gruppe eingesetzt werden. Das gefiel diversen Fans, vor allem aber der Witwe Courtney Love nicht. Daher wurde geklagt, mit bislang unbekanntem Ausgang.

Kurt Cobains digitales Abbild sorgte in Guitar Hero 5 für jede Menge Wirbel

Kurt Cobains digitales Abbild sorgte in Guitar Hero 5 für jede Menge Wirbel

Die schlechten Zahlen von Guitar Hero 5 hätten Activision eigentlich schon 2009 dazu bewegen müssen, der Serie eine Pause zu gestatten, und zunächst sah es tatsächlich so aus: Der Publisher schloss Hardware-Hersteller RedOctane und löste die Guitar-Hero-Abteilung von Neversoft auf. Die Marke schien am Ende, aber Activision wollte das einstige Zugpferd nicht einfach so sterben lassen, ohne noch mal Profit zu machen.

So erscheint es rückblickend betrachtet verwunderlich, dass 2010 zusammen mit DJ Hero 2 noch der vorerst letzte Teil der Reihe schien: Warriors of Rock. Wegen der Kontroverse um den Vorgänger ging es diesmal ohne echte Persönlichkeiten, dafür aber mit jeder Menge Andeutungen (Lars Ümläut, Axel Steel etc.) auf die Bühne. Dazu kam ein Quest-Modus, der etwas frischen Wind durch eine Geschichte versprach, letztlich aber nur ein leicht aufgewerteter Karrieremodus war. Die Veränderungen kamen allerdings weder bei den Kritikern noch bei den Spielern an, und so wurde Warriors of Rock der schwächste Titel der Serie.

Activision erkannte endlich die Zeichen der Zeit und gab Guitar Hero eine Pause. Das bedeutete leider allerdings auch das Ende für Neversoft. Das Studio wurde mit Infinity Ward, den Entwicklern von Call of Duty: Modern Warfare, zusammengelegt. Doch auch dieses Mal war Activision mit schlechten Zahlen nicht allein. EA und MTV Games sahen ebenfalls, dass der Markt starb, was dazu führte, dass MTV Games, durch Rock Band immerhin zum fünftgrößten Publisher aufgestiegen, schließen musste. Zum Glück überlebte wenigstens Harmonix die Schließungswelle und wurde lediglich verkauft.

Comeback?

Guitar Hero und Rock Band erschufen einen Markt und schwangen sich zu ungeahnten Höhen auf. Es ist noch gar nicht lange her, da waren Musikspiele die Eier legende Wollmichsau und sowohl Casual- als auch Core-Spieler hingen gleichermaßen vor ihren Konsolen und rockten zu den aktuellsten Hits. Doch 22 Guitar-Hero-Titel innerhalb von fünf Jahren ließen dem Markt keinen Platz, Atem zu holen. Ähnlich wie bei der Transition von der Wii zur Wii U kann man hier klar erkennen, dass der Casual-Markt andere Lebenszyklen vorgibt, als der klassische Videospielemarkt. Und auch wenn die Zukunft 2008 noch rosig aussah, so war spätestens 2009 bereits klar, dass das Interesse an neuen Titeln stark geschrumpft ist.

Fünf Jahre und eine Konsolengeneration später will man es aber wieder wissen. Activision holt Guitar Hero wieder aus der Schublade und will mit Guitar Hero Live an die alten Erfolge anknüpfen. Dabei benutzt man zum ersten Mal Live-Video-Material, um das Geschehen realistischer zu machen. Ironischerweise ist auch Harmonix wieder dabei und schickt Rock Band 4 in den Ring. Vielleicht schafft es Activision, Guitar Hero Live endlich wieder eine eigene Identität zu geben. Vielleicht ist es aber auch noch zu früh für eine Wiederbelebung der Musikspiele. Das Weihnachtsgeschäft wird es zeigen, die Höhen von 2008 scheinen allerdings unerreichbar.

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