Guitar Hero Retrospektive

Mit zwei Branchenriesen im Spiel wurde aus dem Phänomen ein Wettrennen, das schlussendlich das gesamte Genre zerstörte. Doch zunächst schien noch die Sonne auf Guitar Hero. Denn bereits im Oktober 2007 erschien in Amerika Guitar Hero III: Legends of Rock. Der erste Titel unter der Federführung von Neversoft war inhaltlich allerdings eher ein Rückschritt, der auf Sicherheit baute. Dafür erschien der neueste Teil zum ersten Mal für PC und Wii und konnte damit noch mehr Spieler gewinnen. Dadurch wurde Guitar Hero III zum wohl bestverkauften Teil der Serie, die Wii-Version des neuen Les-Paul-Controllers bot sogar Vibrationen dank der Integration der Wiimote. Der Hype um die Musikserie war noch ungebrochen. Regisseur Brett Rattner (X-Men 3, Rush Hour) wollte den Titel gar verfilmen.

Guitar Hero III markierte allerdings den Höhepunkt der Serie, danach ging es abwärts. Schon kurze Zeit später konnten EA und Harmonix mit Rock Band den großen Namen unter Druck setzen: Bereits im November gab es da nicht nur plötzlich einen Konkurrenten mehr, dieser konnte sogar mit einem Schlagzeug und Mikrofon-Unterstützung noch viel mehr Abwechslung bieten. Insbesondere bei Partys war Rock Band dem Platzhirsch meilenweit voraus. Activision musste handeln, es begann die Übersättigung des Marktes.

Harmonix' Rock Band machte Druck auf Guitar Hero

Harmonix‘ Rock Band machte Druck auf Guitar Hero

Aerosmith, World Tour, Metallica, Van Halen – wer hat noch nicht?

Was macht man, wenn man eine Serie hat, die soeben Rekorde gebrochen hat und zu den größten der Spieleindustrie zählt? Man melkt sie. Alleine 2008 erschienen mit Aerosmith, On Tour, On Tour: Decades, Backstage Pass, World Tour und World Tour Mobile sechs unterschiedliche Guitar-Hero-Teile für so gut wie alle elektronischen Geräte, die zu diesem Zeitpunkt erhältlich waren. World Tour, der offizielle vierte Teil, integrierte auf Druck von Rock Band bereits Unterstützung für Schlagzeug und Gesang. Außerdem gab es mit dem Music Studio die Möglichkeit, eigene Stücke aufzunehmen, auch wenn durch Lag und mittelmäßige Tonqualität keine Begeisterung aufkommen konnte.

Man konnte Activision also nicht vorwerfen, dass man die Serie nicht weiterentwickeln wollte. Dennoch war Rock Band immer noch überlegen, und so wundert es nicht, dass World Tour zwar solide bis sehr gute Bewertungen einheimsen konnte, bei den Spielern allerdings nicht wie gewünscht einschlug. In der ersten Woche verkaufte Guitar Hero: World Tour in den USA gerade mal halb so viel Exemplare wie Guitar Hero III. Der Trend galt allerdings nicht nur für Guitar Hero, auch Rock Band 2 verkaufte gerade mal halb so viele Exemplare wie sein Vorgänger. Die Zeichen waren klar, doch weder Activision noch EA und MTV wollten sie sehen und bombardierten den Markt weiter mit neuen Teilen.
Diversifikation hieß das Stichwort 2009, und so erreichten uns in diesem Jahr nicht nur weitere Band-spezifische Titel wie Guitar Hero: Metallica und Guitar Hero: Van Halen, sondern mit DJ Hero etwas völlig Neues. Zumindest wollte Activision, dass wir das glauben, denn letztlich unterschied sich das Gameplay nicht genügend von den Gitarrenhelden. So sahen viele Spieler nicht die Notwendigkeit, noch ein weiteres Plastikinstrument in ihr Wohnzimmer zu stellen, um darauf DJ zu spielen. Auch wenn DJ Hero keineswegs ein Flop war – letztlich konnten wieder über eine Million Exemplare verkauft werden und die Presse lobte den Titel –, enttäuschte es aufgrund der hohen Erwartungen, die durch die Hauptserie aufgestellt wurden. Da konnte auch der 2010 erschienene, deutlich bessere Nachfolger nichts dran ändern. Genaue Zahlen sind nicht bekannt, doch 2011 schätzten Analysten, dass DJ Hero 2 und Guitar Hero: Warriors of Rock zusammen weniger als eine Million Mal die US-Kassen überquert haben.

DJ Hero war kein großer Erfolg

DJ Hero war nicht der erhoffte Erfolg

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