Cyberpunk 2077: Katastrophe mit Ansage (Nimm mit #2)

AAA-Titel sind komplex und teuer

Cyberpunk 2077 zeigt im Grunde ein großes Problem der Videospieleindustrie: Das Entwickeln von riesigen AAA-Titeln ist komplex, kompliziert und natürlich teuer. Ein Jahr wie 2020 macht das sicherlich nicht einfacher. Ständig entstehen neue technische Probleme, ein genaues Vorausplanen ist bei einem derartigen Mammutprojekt wie Cyberpunk 2077 schlicht nicht möglich. Wieso hat CD Projekt RED also so krampfhaft an dem Dezember-Termin festgehalten? Das hat sicherlich mehrere Gründe.

Zum einen hat die polnische Firma bereits einige Male den Release nach hinten geschoben. Zuletzt sogar sehr kurzfristig. Zwar war das Feedback auf die Verschiebungen jedes Mal im Grundtenor verhältnismäßig mild und von Verständnis geprägt, jedoch wurde der Ton zunehmend rauer. Am Ende gab es dann sogar handfeste Drohungen.

Zum anderen könnte CD Projekt RED den Eindruck bekommen haben, dass sie den Titel eigentlich nur noch jetzt ernsthaft veröffentlichen können. Das diesjährige Weihnachtsgeschäft ist wahrscheinlich das letzte Mal, dass PS4 und Xbox One wirtschaftlich relevant sind. Das betrifft aber nicht nur die Entwickler, sondern auch Sony und Microsoft. Dass das Spiel so durch den Zertifizierungsprozess durchgewunken wurde, war auch im Interesse der Plattformbetreiber. Und hätte CD Projekt RED den Release noch mal signifikant nach hinten geschoben, hätte man die Version für die älteren Konsolen direkt einstampfen können. Das hätte dann wiederum dazu geführt, dass das Spiel für die Next-Gen-Konsolen von Grund auf neu aufgestellt hätte werden müssen, damit man auf den neuen Boxen nicht altbacken aussieht.

Hätte es überhaupt deutlich besser laufen können?

Und da sind wir am Ende doch wieder bei der Erwartungshaltung: Nicht nur, dass der Hype um Cyberpunk 2077 unfassbar groß war – Das Spiel hätte diesem wahrscheinlich niemals gerecht werden können –, es wird einfach ein unglaublich großer Fokus auf die grafische Qualität von Titeln gelegt. Gerade bei Spielen von derartiger Dimension kommen die Entwickler aber oft in einen Teufelskreis. Es braucht einfach Zeit, so viel Inhalt und ineinandergreifende Systeme zu entwerfen, zu implementieren und zu testen. Das wiederum führt oftmals dazu, dass die Grafik nicht mehr zeitgemäß daherkommt. Es wird also mehr Zeit benötigt, das Spiel wieder auf den aktuellen technologischen Stand zu bringen. In der Zeit werden neue Spiele mit besseren Systemen veröffentlicht und plötzlich sehen die eigenen Ideen wieder alt aus. Sind wir als Spielerschaft vielleicht zu verwöhnt? Oder legen wir alle zu viel Wert auf die lauten Stimmen, die nach noch mehr Inhalten und besserer Grafik schreien? Ich behaupte, dass CD Projekt RED im aktuellen Klima höchstens noch bis März hätte warten können, bevor der Titel signifikant an Strahlkraft verloren hätte. Und ob man in der Zeit ein deutlich besseres Spiel hätte veröffentlichen können, wird man in den nächsten Monaten sehen.

Nach über acht Jahren Entwicklungszeit, unfassbarem Hype und bei den aktuellen Verhältnissen in der Branche muss man daher vielleicht einfach attestieren: Der Release von Cyberpunk 2077 hätte gar nicht signifikant anders verlaufen können. Und daran ist CD Projekt RED vielleicht nicht alleine schuld.

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